„Ostende 1936, Sommer der Freundschaft“ von Volker Weidermann

Es gab und gibt es leider immer wieder, dass Menschen unfreiwillig ihr Land verlassen müssen, aus Opposition, meistens aus Not, aus schierer Überlebensangst.  Weidermann stellt dieses Exilantenschicksal anhand ausgewählter Literaten, Stefan Zweig, Joseph Roth, Irmgard Keun et al., erzählerisch für die Zeit nach der Machtergreifung durch Hitler dar und hält somit einen sehr bedeutenden Part Deutscher Literatur in Erinnerung. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden diese Schriftsteller leider auch viel zu oft ignoriert oder ausgebootet, wie im Fall Edgar Hilsenraths, einem ebenfalls großartigen Schriftsteller. Diese Ignoranz und Verdrängung ist sogar noch virulent, selbst eine Kollegin hatte einmal bei der Auswahl einer Lektüre alte Nazi-Vorwürfe gegen Hilsenrath wiederholt. Man wollte diese Menschen, die überlebt hatten, nicht lesen, sich nicht mit ihnen beschäftigen, obschon sie vorher große, gefeierte Stars waren. Leider hat sich auch die Gruppe 47 hier nicht rühmlich hervor getan. Weidermanns gut erzähltes, kleines biographisches Werk jedenfalls bietet also einen guten, d.h. spannenden und lebendigen Einblick in einzelne Lebensverläufe und öffnet somit auch eine Tür in ein wichtiges und großes Thema.

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