Ein paar Tage Licht – ein Kriminalroman von Oliver Bottini

Bei einem spontanen Besuch unserer Buchhandlung fiel mein Blick auf ein Buch, dessen Autor ich kannte: Oliver Bottini, den ich in Osijek im Rahmen einer zweisprachigen Lesung getroffen hatte, als die kroatische Übersetzung seines Buches „Im Auftrag der Väter“ vorgestellt wurde. Er thematisiert in diesem Buch die Geschichte Jugoslawiens, sehr spannend, sehr gut erzählt.

Nun also Algerien. Und erneut dieser Mix aus Geschichte, Politik und Wirtschaft. Im Grunde schon ein Garant für ausreichend Spannung, gelingt ihm in diesem 512 Seiten umfassenden Krimi eine interessante, historisch abgesicherte Darstellung des Landes. Der reale Bezug Bottinis ist sein Programm, sein künstlerischer Anspruch; die Wirklichkeit ist crime, bietet ausreichend Sprengstoff, um daraus einen sehr ansprechenden Krimi entstehen zu lassen. In 73 kleineren, Orte und Handlung wechselnden Episoden/Kapiteln entwickelt er eine Erzählung, deren Fäden die LeserInnen selbst zu einem Ganzen verknüpfen müssen. (Für den Fall, dass man mal einen verliert, gibt es einen Anhang, indem alle Begriffe und Namen aufgelistet stehen.)

So wie Bottini auch in Osijek gelebt und gearbeitet hat, war er auch für diesen Krimi vor Ort, im Land, und hat persönlich recherchiert, mit verschiedenen Menschen gesprochen, so dass multiperspektivisch das Bild eines Landes entsteht. Und hiermit ist nicht nur Algerien gemeint. Man gewinnt auch ein Bild Deutschlands. Es geht in dem Kriminalroman nämlich auch um die Rüstungsindustrie und Waffenexporte Deutschlands in andere, nicht ganz so ausgewiesen demokratische Länder. Hier wird also ein heikles Thema aufgegriffen, über das in der Exportnation Deutschland jedoch nicht so gerne gesprochen wird…

Dem mehrfach mit dem Deutschen Krimipreis Ausgezeichneten ist somit wieder einmal ein hervorragender Krimi gelungen.

(Erschienen im Dumont-Verlag. Die Taschenbuchausgabe wird im Juni 2015 erscheinen.)

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